Interview with
Ken Read
Ken Read, Mitglied der kanadischen Abfahrtsmannschaft der 1970er Jahre
Der Abfahrtsanzug ist die Königsdisziplin im Bereich Skibekleidungs-Technologie. Er ist gleichzeitig extrem dehnbar, windbeständig und komfortabel und bietet grundlegenden Schutz vor Aufprall und harten winterlichen Bedingungen. Der Schweizer Sport-Ingenieur Hans Hess wurde damit beauftragt, den Entwicklungsprozess, der mit dem Kris Cut bei den Olympischen Spielen 1972 in Sapporo begonnen hatte, zu überwachen. Dies führte zu Descentes „Magic Suit“, der in der Weltcup-Saison 1978/79 für eine Sensation sorgte. Bei der vierten Weltcup-Abfahrt der Saison, am 6. Januar 1979 in Morzine (Frankreich), erzielte der Kanadier Ken Read einen verblüffenden Sieg in diesem Anzug. Interview vom Juli 2011
FRAGE
Sie hatten eine beeindruckende Karriere – gewannen fünf Weltcup-Abfahrten und waren Mitglied der berühmten Crazy Canucks. Was war der beeindruckendste Moment in all ihren Jahren als Skirennläufer?
Without question, winning the Hahnenkamm at Kitzbuhel in 1980, followed by winning on the Lauberhorn in Wengen, was the highlight of my ski racing career. These two mountains are considered the toughest downhill races in the world, and are steeped in ski racing tradition. Each is very different - Kitzbuhel being a tough, demanding track that tests skill, daring and physical capacity, while Wengen is long and subtle and requires experience, stamina and subtlety.
FRAGE
Als Entwickler und Produzent der Rennanzüge, die von der kanadischen Ski-Nationalmannschaft getragen wurden, war Descente stolzer Partner der „Crazy Canucks”. Kannst du uns etwas über die Rennanzüge zu deiner Zeit erzählen?
Ich war sehr stolz auf die Partnerschaft zwischen dem Team Kanada und Descente. Die Anzüge waren wie eine zweite Haut – passten perfekt – und wir wussten, dass Design, Material und Aerodynamik den anderen Anzügen im Weltcupzirkus überlegen waren. Ich hatte das Gefühl, das verlieh uns vor dem Start eines Rennens einen Extraschub.
FRAGE
Du warst der erste Nordamerikaner, der eine Weltcup-Abfahrt gewann. Welche Erinnerungen hast du an dieses Rennen?
Das Rennen fand am 7. Dezember 1975 in Val d’Isere, Frankreich, statt. Ich hatte die Startnummer 1. Es war mein erstes Rennen in der ersten Gruppe und ich war erst 20 Jahre alt. Mein bestes Ergebnis zu diesem Zeitpunkt war ein achter Platz im Vorjahr. 1975 gab es in Val d’Isere mehrere Sprünge, die Mut erforderten – den ‘Bosse a Collombin’, wo Roland Collombin im Jahr zuvor gestürzt war und daraufhin seine Karriere beenden musste, den Turmsprung, den Tunnelsprung und die Kompression. Es schien so, als ob wir mehr Zeit in der Luft verbrachten als auf dem Boden. Da ich zum ersten Mal unter den Besten startete, ließ ich mir beim Aufwärmen etwas zu lange Zeit und wäre beinahe zu spät zum Start gekommen. Deshalb musste ich meine Startvorbereitungen dann sehr rasch absolvieren. Ich habe mich von der Startnummer 1 jedoch nicht irritieren lassen – ging locker damit um, ließ mich nicht einschüchtern und habe einen fehlerfreien Lauf hingelegt. Im Rückblick war es gut, dass ich meine Startvorbereitung schnell absolvieren musste. So hatte ich keine Zeit, nervös zu werden, und konzentrierte mich einfach darauf, bei meinem Lauf alles zu geben.

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FRAGE
Seit deinem Rücktritt als aktiver Rennläufer bist du auch weiterhin sehr aktiv in der Welt des Skirennsports tätig – besonders in der Fernsehberichterstattung. War es damals eine harte Entscheidung aufzuhören und verlief der Übergang in das Leben nach dem Sport angenehm für dich?
Der Rücktritt vom Sport ist hart. Denn für einen sehr langen Zeitraum – in meinem Fall für über 20 Jahre von 7 bis 27 – war das meine Leidenschaft, mein Fokus. Aber der Sport lehrt einen sehr viel: Konzentration, Hingabe, Ziele zu setzen, kritische Überprüfung, detaillierte Evaluierung – Fähigkeiten, die einem für das ganze Leben nützen. Diese Fähigkeit gepaart mit Erfahrung im internationalen Sport Business, in internationalen Märkten sowie Netzwerken eröffnet einzigartige Gelegenheiten als Sportjournalist – sowohl in der TV Berichterstattung als auch im Printjournalismus. Der Übergang brauchte seine Zeit. Ich bin zurück zu Universität, um einen Abschluss in Wirtschaft zu machen, das half, die Zeit zu überbrücken. Ich habe dann nach neuen Herausforderungen gesucht und mich schließlich mit großer Leidenschaft darauf konzentriert, dem kanadischen Publikum über Skirennen und andere Sportarten zu berichten. 15 Jahre lang hatte ich das Privileg, bei CBC Sports mit den Besten im Bereich Sportberichterstattung zusammenzuarbeiten, unter anderem mit Brian Williams, dem Doyen der kanadischen Olympia-Berichterstattung, und Jim Thompson, einem der führenden Männer in dem Geschäft. Meine Eltern haben dafür gesorgt, dass ich ein weites Interesse am Sport entwickelte, das über den Tellerrand eines Athleten hinausging. Sie haben ihr Leben lang als Freiwillige bei Skirennen gearbeitet. Dies war der Grund für mich, dem Sport, der mir so viel gegeben hat, etwas zurückzugeben. Deshalb wurde ich Mitglied der Athletenkommission des IOC, Chef de Mission bei den Olympischen Sommerspielen 1992 in Barcelona, Mitglied des Entscheidungsgremiums der FIS und schließlich Präsident und Geschäftsführer des kanadischen Skiverbands.
FRAGE
Du hast zusammen mit Matthew Fisher ein Buch mit dem Titel “White Circus" geschrieben, das 2004 die Grundlage für den TV-Film “Crazy Canucks” bildete. Lucas Bryant hat dich in dem Film gespielt. Wie war es, ein Porträt von sich selbst auf Leinwand zu sehen?
Die Schauspieler und die Filmcrew haben einen hervorragenden Job bei der Darstellung der Mitglieder der Crazy Canucks und der Umsetzung der Geschichte gemacht. Der Film war sehr detailgetreu und authentisch. Es gab einige kreative Freiheiten, um die Geschichte in einem 100-Minuten-Film unterzubringen. Die Produzenten haben jedoch sehr darauf geachtet, unserem Sport den entsprechenden Respekt entgegenzubringen. Ich fühlte mich sehr geehrt, dass sich einer der erfolgreichsten TV-Spielfilme aller Zeiten in Kanada um den Skirennsport und unsere Geschichte drehte.
FRAGE
Als Descente Legacy Member hast du die Platinum-Produkte von Descente getragen. Was kannst du uns über die Anzüge sagen?
Als Sportler habe ich sehr hohe Standards in Bezug auf Bekleidung. Ich verbringe eine Menge Zeit auf der Piste. Ich erwarte, dass mich meine Skibekleidung meinen Job machen lässt – mich warm hält, den Wind und die Elemente abhält und sowohl was das Design als auch den Komfort angeht führend ist. Descentes Platinum-Skibekleidung ist in all diesen Aspekten herausragend: tolles Design, sehr modisch und komfortabel. Sie erfüllt die Ansprüche von Leuten wie mir, die viel und intensiv Skifahren.

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FRAGE
Du wurdest zum Direktor Wintersport bei “Own the Podium” (OTP) ernannt, Kanadas Hochleistungsprogramm für die Kanadischen Olympioniken und Para-Olympioniken, das so hervorragende Resultate bei den Spielen von Vancouver 2010 gebracht hat. Wie befriedigend war es für dich, dabei zu helfen, die Träume dieser Athleten wahr werden zu lassen?
Ich war eine der führenden Sportpersönlichkeiten, die dieses Programm ins Leben gerufen haben und habe dann als Präsident des Kanadischen Skiverbands daran mitgewirkt. Es war sehr lohnend, mit all den kanadischen Wintersportlern zu arbeiten und ihnen durch die Fokussierung der Arbeit auf Podium-Ergebnisse dabei zu helfen, ihre Träume Realität werden zu lassen. OTP hat allen Kanadiern gezeigt, dass wir uns hohe Ziele stecken und Programme bereitstellen können, mit deren Hilfe unsere Athleten ihre Ziele erreichen. Den Athleten dabei zu helfen, die notwendige finanzielle und technische Unterstützung zu erhalten, um nach Höherem streben zu können, ist wahrlich eine lohnende Aufgabe.
FRAGE
Du und deine Frau Lynda seid beide ehemalige Skirennläufer und euer Sohn nimmt nun ebenfalls an Skirennen teil. Welchen Rat würdest du jungen Skifahrern mit auf den Weg geben, um im Sport erfolgreich zu sein?
Ich habe folgenden Ratschlag für junge Sportler: Entwickle eine Leidenschaft für deinen Sport, denn diese Hingabe ermöglicht dir kritisches Denken, Entschlossenheit und die Fähigkeit, an Details zu arbeiten, was dir erlaubt, danach zu streben, der oder die Beste zu sein. Und – hör auf deine Trainer! Mein Ratschlag an die Eltern junger Sportler lautet: Lasst die Kinder früh mit dem Sport beginnen und lehrt sie zu lieben, was sie tun. Integriert sie in eine starke Gruppe von Gleichgesinnten, die Freunde, Unterstützer und Konkurrenten sein werden. Hört auch auf die Trainer und helft ihnen bei jedem Schritt. Und schließlich seid da – jeden Tag – als Fahrer, Freiwillige und Unterstützer, um das notwendige Umfeld für Erfolg zu schaffen. Es gibt keine bessere Investition, als Kinder Sport machen zu lassen.
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